Das Telefon klingelt fast durchgängig. Im Hof vor der Tierannahme stehen Familien, Paare oder Einzelpersonen. Alle haben einen kleinen Karton in der Hand, den sie sehr vorsichtig vor sich hertragen. Auf dem Parkplatz gibt es ein Kommen und Gehen.
An der Tierannahme des NABU-Artenschutzzentrums ist eine gewisse Anspannung zu spüren. Kartons werden entgegengenommen, Karteikarten ausgefüllt, Neuzugänge auf ihren Gesundheitszustand beurteilt.
Im Aufzuchtraum dann der Hochbetrieb: Füttern, füttern, füttern, den ganzen Tag lang bei Temperaturen wie in der Sauna.
„Das geht seit vielen Tagen so“, berichtet Bärbel Rogoschik vom NABU-Artenschutzzentrum. „Die letzten drei Tage war es jedoch besonders schlimm. Es mussten 275 Neuzugänge aufgenommen werden“. 99 Prozent Jungtiere, die fast alle von der großen Hitze betroffen waren. Die Hälfte der Neuzugänge setzen sich aus Mauerseglern und Mehlschwalben zusammen, die als Dachbewohner unter den Dachpfannen bzw. am Haus ihre Nester haben.
Die noch nicht flugfähigen Jungtiere haben es in der Gluthitze nicht ausgehalten und sind mit letzter Kraft aus dem Nest geklettert. Wenn Sie Glück hatten, sind sie nicht auf einem Betonboden gelandet, sondern wurden noch lebend gefunden und ins NABU-Artenschutzzentrum gebracht. „Unsere Mitarbeiter haben Unglaubliches geleistet“, berichtet Rogoschik weiter, „und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Daher können wir durch die Vielzahl an Pfleglingen zurzeit nur noch die akuten Notfälle aufnehmen. Wir hoffen alle, dass jetzt der Hitzepeak vorbei ist und wir in den nächsten Wochen die Unmengen an Vögeln großziehen können, um sie letztendlich auszuwildern“.
Am Sonntag, den 5. Juli, bietet das NABU-Artenschutzzentrum von 9:00 -11:00 Uhr eine Exkursion in das Naturschutzgebiet „Viehmoor“ bei Leiferde an. Das etwa 360 Hektar große Naturschutzgebiet setzt sich aus Wald- und Wiesenarealen sowie einer etwa 36 Hektar großen Teichlandschaft zusammen, welche auch Ziel der zweistündigen, von Florian Preusse fachkundig geleiteten Wanderung sein wird. Ein Schwerpunkt der Exkursion wird auf dem Thema Schlangen liegen, wobei die Teilnehmer vor allem auf die Sichtung von Ringelnattern hoffen dürfen. Neben den Schlangen lassen sich zumeist zahlreiche weitere, häufig auch seltene Tierarten beobachten, die dem besonderen ökologischen Wert des Viehmoores erkennen lassen.
Wer Interesse hat, meldet sich bitte bis zum 3. Juli vormittags unter 05373/6677 oder unter [email protected] verbindlich an. Treffpunkt ist um 9:00 Uhr auf dem Parkplatz im Viehmoor. Festes Schuhwerk und lange Hosen sind erforderlich sowie ein Fernglas (sofern vorhanden).
Die Kosten liegen bei 8 € für Erwachsene, 5 € für Jugendliche bis 16 Jahren und 15 € für Familien.
Fledermauswanderung - auf den Spuren von Bat-Man und Co. am 3.7.2026
Wer hat große Ohren, fliegt mit den Händen und schläft mit dem Kopf nach unten hängend? Wie orientieren sich Fledermäuse in der Dunkelheit und wovon ernähren sie sich? Diesen Fragen und noch vielen anderen zum Thema Fledermaus wird auf der Exkursion in das Viehmoor am Freitag, dem 3. Juli 2026 von 21.00 Uhr bis 23.30 Uhr nachgegangen.
24 Fledermausarten kommen in Deutschland vor, wovon viele mittlerweile in ihrem Bestand, unter anderem durch akuten Insektenschwund, bedroht sind. So vertilgt z.B. eine Wasserfledermaus bis zu 1.000 Mücken je Nacht. Mit Hilfe von BAT-Detektoren werden verschiedene Fledermausarten zu unterscheiden sein. Zugleich erhalten die Teilnehmer Informationen darüber, wie man selbst zum Erhalt dieser sehr interessanten Tiergruppe beitragen kann.
Die Fledermauserlebnisveranstaltung beginnt um 21.00 Uhr im NABU-Artenschutzzentrum Leiferde mit einer Einführung in das Thema und wird im Viehmoor als Exkursion fortgesetzt.Eine verbindliche Anmeldung bis zum 29. Juni unter Tel. 05373-6677 oder per Mail unter: [email protected] ist verpflichtend.
Des Weiteren sind eine Taschenlampe, lange Hosen und festes Schuhwerk hilfreich. Es entsteht ein Unkostenbeitrag von 5 € pro Kind und 9 € pro Erwachsenen.
Durch menschlichen Einfluss verunglücken täglich Wildtiere in großer Zahl. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) nimmt dies als ethische Verpflichtung und hat mit dem NABU - Artenschutzzentrum Leiferde, im Landkreis Gifhorn gelegen, eine Einrichtung geschaffen, die wirkungsvoll helfen kann.
Das Zentrum wurde 1980 auf dem Gelände einer alten Molkerei gegründet, dessen Hauptziel es ist, hilfsbedürftige einheimische Wildtiere, hauptsächlich Vögel, zu pflegen und so schnell wie möglich geheilt in ihre natürlichen Lebensräume zu entlassen. Nicht alle überleben die Folgen eines Unfalls und können wieder ausgewildert werden. Diejenigen, bei denen keine Auswilderung mehr möglich ist, werden an öffentliche Einrichtungen weitervermittelt oder bleiben als "Dauergast" in Leiferde. Die Funktion als Betreuungsstation für Wildtiere umfasst auch die Aufgaben einer staatlich anerkannten zentralen Storchenpflegestation für Niedersachsen.
Darüber hinaus nimmt das NABU - Artenschutzzentrum exotische Wildtiere wie z.B. Papageien, Schildkröten und Schlangen auf, die wegen Verstoßes gegen die Artenschutz- oder Tierschutzgesetzgebung behördlich beschlagnahmt worden sind. Förderung für diese Aufgaben erhält das NABU-Artenschutzzentrum als anerkannte Betreuungsstation, vom Land Niedersachsen, vertreten durch das NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz).
Insgesamt wurden im letzten Jahr über 4.185 Tiere im Artenschutzzentrum in 198 Arten gepflegt. Das bedeutet für die Mitarbeiter, dass rein rechnerisch ca. alle 2:06 Stunden, Tag und Nacht, Sonn- oder Feiertag ein neuer Pflegling aufgenommen wird.
Um die Bevölkerung für den Naturschutz zu sensibilisieren, erhält die umweltpädagogische Arbeit des NABU - Artenschutzzentrums zunehmende Bedeutung. Täglich werden hier Auskünfte erbeten, Materialien angefordert und Kontakte vermittelt. Für Besucher aus ganz Deutschland ist das NABU - Artenschutzzentrum ein beliebtes Ausflugsziel geworden.